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Faire Kleidung

Was ist faire Kleidung ?

Fairness ist ein Schlagwort mit dem viele Labels sich gerne schmücken. Was aber soll faire Kleidung eigentlich sein? Und auf welche Siegel für faire Kleidung kann man vertrauen?

In diesem Artikel stelle ich dir vier Ansätze vor, die Modelabels nutzen, um die Produktion von Kleidung fair zu gestalten. Es geht also eher um die Hintergründe und Siegel.

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Ansatz 1) Faire Kleidung = Fair Trade Kleidung

Die Grundidee des fairen Handels ist, langfristige Handelsbeziehung zu benachteiligten Produzenten in Entwicklungsländern aufzubauen, ihnen faire Preise zu zahlen und so durch Handel Armut zu mindern. Es soll nicht um Almosen gehen, sondern um eine langfristige, faire Geschäftsbeziehungen ohne Ausbeutung.

Im Bereich Mode gibt es verschiedene Fair Trade Siegel, die ich dir hier kur vorstellen möchte.

Fair Trade Baumwolle

Das Fairtrade-Siegel kennt man vor allem von Kaffee, Schokolade und Bananen. Im Bereich Mode findet man es mit dem Zusatz Cotton, es steht dann für Fairtrade zertifizierte Baumwolle.

Sowohl amerikanische Farmer als auch afrikanische Kleinbauern bauen Baumwolle an. In den USA erhalten die Produzenten aber Subventionen. Das drückt auf den Weltmarktpreis. Manchmal ist er so gering, dass die Kleinbauern in Entwicklungsländern davon nicht einmal ihre Produktionskosten decken können.

Hier setzt Fairtrade an: Mit den Kleinbauern und Kooperativen wird ein fester Preis vereinbart, der für die Ernte bezahlt werden soll. Steigt der Weltmarktpreis darüber, bekommen die Baumwollbauern den höheren Preis. So erhalten die Bauern in Entwicklungsländern ein stabiles Einkommen.

Zusätzlich zahlen die Käufer eine Fairtrade-Prämie. Von diesem Geld wird zum Beispiel der Bau eines Trinkwasserbrunnens oder einer Schule finanziert.

Kritik am Fairtrade Cotton Siegel: Dieses Siegel bezieht sich nur auf den Baumwollanbau. Bis aus der Baumwolle ein Kleidungsstück wird, sind aber noch viele weitere Arbeitsschritte notwendig. Die Baumwolle muss zu Stoff bearbeitet werden, der dann gefärbt wird und schließlich in den Nähereien zu einem Kleidungsstück vernäht wird. Und in all diesen Bereichen arbeiten Menschen oft unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen und erhalten dafür nur einen Lohn, der kaum zum Überleben reicht.

Ein neues Fairtrade-Siegel bezieht nun alle Herstellungsschritte der Kleidung ein:

Das neue, umfassende Siegel für Fair Trade Kleidung

Seit 2016 gibt es den Fairtrade-Textilstandard und das Textilprogramm, der gerechte Bedingungen in der gesamten Lieferkette zu zertifiziert.

Das Fairtrade-Textilsiegel können Unternehmen verwenden, die auf faire Arbeitsbedingung auf der gesamten Lieferkette hinarbeiten. Wer mitmacht, verpflichtet sich existenzsichernde Löhne innerhalb von sechs Jahren durchzusetzen.

Positiv finde ich, dass in einem kleinen Text erklärt wird, inwieweit die Marke die Standards schon umgesetzt hat. So kann man als Verbraucher erkennen, ob schon existenzsichernde Löhne gezahlt werden oder ob das Unternehmen noch darauf hinarbeitet. Es hat sechs Jahre Zeit, die Standards umzusetzen.

Man erfährt auch, ob das Kleidungsstück aus Fairtrade-Baumwolle oder einem anderen fair produzierten Material besteht.

das ist dann Fair Trade Kleidung auf der ganzen Linie

World Fair Trade Organization

Einige Labels arbeiten auch bei der Weiterverarbeitung nach Prinzipien des Fairen Handels mit Produzenten in Entwicklungsländern zusammen. Für das Label People Tree stricken und nähen Menschen in Bangladesch und Indien. People Tree war das erste Label dessen gesamte Produktionskette von der World Fair Trade Organization geprüft und zertifiziert wurde.

Ansatz 2: Faire Arbeitsbedingungen für Fabrikarbeiter.

Muss faire Kleidung unbedingt von Kooperativen in Handarbeit hergestellt werden? Wie fast alles, werden auch Klammotten heutzutage eher in großen Fabriken produziert. Und das wäre auch nicht schlimm, wenn die ArbeiterInnen von ihrem Lohn gut leben könnten. Doch ist das in vielen Ländern nicht der Fall. Hinzukommt, dass die Arbeitsbedingungen oft so schlecht sind, dass die Arbeiter durch den Kontakt mit Chemikalien schwer krank werden.

Woran kann man Unternehmen, die zwar in Bangladesch, China oder Kamodscha produzieren, aber dort wirklich wert auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen bei den Zulieferbetrieben legen?

Ein guter Anhaltspunkt ist, dass das Label Mitglied bei einer Intitiative ist, die umfassende Sozialstandards festsetzt, das Label bei der Umsetzung in den Zulieferbetrieben unterstützt. Denn es reicht nicht, dem Zulieferer einfach nur eine Wunschliste für die Behandlung der Arbeiter zu senden und sich dann nicht mehr darum zu kümmern.

Es gibt mehrere solcher Multi-Stakeholder-Initiative (MSI), bei denen Unternehmen meist mit Gewerkschaften und Nichregierungsorganisationen zusammenarbeiten. Wichtig ist auch, dass nicht nur das Label selbst kontrolliert, ob eingehalten wird, was vereinbart wurde. Im Idealfall dienen Gewerkschaften oder Nichtregierungsorganisationen vor Ort als Ansprechpartner für ArbeiterInnen, die sich beschweren möchten.

Sozialstandardinitiativen, die auch von kritischen Beobachtern der Modebranche als glaubwürdig angesehen werden, sind:

  • Fair Wear Foundation (FWF)
  • Ethical Trading Initiative (ETI)
  • Fair Labor Association (FLA)

Ein weiterer Weg Kleidung fair zu produzieren, ist Zuliefererfabriken zu wählen, die das SA 8000 zertifiziert sind. Dieses Zertifikat vergibt die Nichtregierungsorganisation Social Accountability International (SAI). Die Verantwortung für die Einhaltung der Standards liegen bei den Fabrikbesitzern und Zulieferern, nicht bei den Labels.

Beispiel Fair Wear Foundation

Das Siegel der Fair Wear Foundation findet man mittlerweile auch auf der Kleidung von größeren Outdoor-Marken wie Vaude, Mammut und Jack Wolfskin.

Fair Wear Logo

Ein Label, das Mitglied ist, verpflichtet sich, den FWF Verhaltenskodex bei seinen Lieferanten durchzusetzen. Das heißt konkret: Keine Zwangsarbeit, keine Diskriminierung, keine Kinderarbeit. Sichere Arbeitsbedingungen ohne Gefahren für die Gesundheit. Versammlungsfreiheit und Recht auf Tarifverhandlungen. Verbindliche Arbeitsverträge und keine exzessiven Überstunden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Initiativen verlangt der Kodex der FWF mehr als die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns. Denn überleben kann man von diesem in vielen Ländern kaum. Stattdessen sollen die Textilarbeiter einen Existenzlohn erhalten, der ausreicht, um die eigenen Grundbedürfnisse und die ihrer Familien zu decken. Wer arbeitet, soll nicht nur gerade so satt werden, sondern auch genug Geld für Bildung und Gesundheit erhalten.

Lohnleiter für allmählichen Anstieg

Oft ist es in der Praxis nicht machbar, die Zulieferer dazu zu bringen, die Löhne direkt so stark anzuheben. Die FWF hat deshalb eine Lohnleiter entwickelt, mit der ein Label berechnen kann, wie der Lohn allmählich angehoben werden sollte.

Die Grundidee ist, dass sich in vielen Ländern Fabriken nicht von heute auf morgen in Vorzeigenähereien verwandeln lassen.  Wenn ein Label Mitglied in der FWF wird, können daher durchaus noch viele Missstände in den Fabriken bestehen. Ein Kleidungsstück des Labels muss also nicht wirklich komplett fair produziert worden sein. Aber es zeigt, dass das Label ernsthaft versucht, die Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben zu verändern.

Ortstermine und Interviews mit Arbeitern

Die FWF kontrolliert in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern die Zulieferer des Labels. Sie arbeiten dafür sowohl mit den Managern der Textilfabriken zusammen als auch mit lokalen Gewerkschaften und NGOs.

Die Labels selbst müssen ein internes Managementsystem aufbauen, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Die FWF schaut ihnen einmal im Jahr in die Karten und bewertet die Fortschritte. Die Berichte kann jeder auf der Webseite der FWF einsehen.

Fazit:

Labels, die Mitglied in der Fair Wear Foundation sind, verpflichten sich, hohe soziale Standards in den Zulieferbetrieben umzusetzen. Sie lassen sich dabei unabhängig überprüfen. Die Mitgliedschaft bedeutet nicht, dass die Sozialstandards bereits überall eingehalten werden. Als Konsument kann man jedoch davon ausgehen, dass das Label sich ernsthaft um gute Arbeitsbedingungen bemüht und und nicht bloß das Image polieren will.

Ansatz 3: Faire Kleidung: Made in Europe

Heutzutage ist es für Labels einfach mit Zulieferen auf der anderen Seite der Welt zusammenzuarbeiten. Die Arbeitsbedingungen, die in den Fabriken und Nähereien herrschen sind aber oft nur schwer kontrollierbar.

Einige Modelabels entschließen sich deshalb dazu, Kleidung fair in Ländern mit besseren Arbeitsstandards zu produzieren. Wer in Europa oder den USA produziert, muss bestimmte Gesetze einhalten. Es gibt Betriebsräte und Gewerkschaften, die ArbeiterInnen zur Seite stehen.

Natürlich kann man sich auch hier darüber streiten, ob es per se faire Kleidung ist, nur weil das Label in Europa produziert. Auch hier können Löhne sehr niedrig sein. Besser als den ArbeiterInnen in Bangladesch geht es den deutschen KollegInnen aber sicherlich.

Ansatz 4: Faire Mode selbst gemacht

Früher schwer war es schwer ein eigenes Modelabel zu gründen, aber heute geht es recht leicht. Vor allem, wenn man Kleidung selbst näht oder strickt. Wer Talent hat, kann klein anfangen und seine Mode über Plattformen wie Etsy verkaufen. Auch ein eigener Webshop ist heute gar nicht mehr so teuer.

Für viele ist der Traum vom eigenen Label, bei dem sie selbst sowohl Designer, Näher und Vertriebsleiter sind so Wirklichkeit geworden. Damit es faire Kleidung ist, sollten auch diese Kleinunternehmen darauf achten beim Einkauf ihrer Stoffe und Materialien fair und umweltfreundlich zu handeln und zum Beispiel GOTS oder Fair Trade zertifizierte Stoffe oder recyclte Materialien zu verwenden.

Mehr zum Thema Bio-Kleidung und nachhaltige Stoffe findest du hier.

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